Beim Schärfen von Messern erhalte ich immer wieder Fragen von Menschen die auch gerne Ihr Messer schärfen wollen, jedoch noch das eine oder andere Problem bei bestimmten DIngen haben. Diese Fragen und typische Antworten darauf habe ich auf dieser Seite zusammengestellt.
Polierpaste und Abziehen 1.Muss ich mein Messer unbedingt auf einem Lederriemen mit Polierpaste abziehen?
Ich merke deutlich den Schärfeunterschied von Messern, die auf einem Leder abgezogen wurden und solchen, die nicht abgezogen wurden. Wenn die Rasierprobe in beide Richtungen am Arm funktioniert, dann ist ein Messer gut abgezogen. Ich habe dies noch nicht ohne Abziehen auf einem Leder geschafft.
2. Wieviel Polierpaste muss ich auf den Lederriemen auftragen?
Zum Abziehen von Messern benötigt man sehr wenig Polierpaste, gibt man zuviel Paste auf den Riemen, kann das Ergebnis auch wieder drunter leiden. Wenn ich ein unbehandeltes Lederstück von ca. 20 cm Länge und 5 cm Breite habe, gebe ich etwa einen halberbsen- bis erbsengroßen Klecks der zähflüssigen und damit gut zu verteilenden grauen Polierpaste von Scherenkauf auf den Riemen und verreibe es mit dem Finger so, dass die ganze Fläche bis zum Rand bedeckt ist. Dann warte ich, bis es getrocknet ist und ziehe zunächst die Messerseite auf der der Grat nicht ist auf dem Riemen ab, damit die Schleifkörner der Polierpaste tiefer ins Leder gedrückt werden und der Grat nicht die ganze Polierpastenschicht direkt abkratzt.
Habe ich eine blockförmige Polierpaste, wie die von Dick, so reibe ich mit dem Block über den Lederriemen, so dass einige Krümel herunterfallen und reibe diese dann mit hohem Druck ins Leder ein. Hier schafft man es nicht eine gleichmäßige Abdeckung hinzubekommen, was aber nicht so schlimm ist.
3. Wann muss ich die Polierpaste auf dem Lederriemen erneuern?
Ich erneuere die Polierpaste auf dem Leder erst, wenn sie den Grat nicht mehr entfernt. Das ist je nach Qualität der Paste erst nach dem Abziehen etlicher Messer (bei der dunklen Polierpaste von Scherenkauf sind es je nach Messerart ca. 20 bis 50 Messer) der Fall.
Man muss auch nicht zwingend die Paste erneuern, wenn sie den Grat nicht sofort entfernt, da man sonst die Gefahr hat, zuviel Paste aufzutragen. Hier kann auch schonmal ein wenig Öl (aber nicht zuviel, sonst gibt der Lederriemen zu sehr nach weil er weicher wird und verändert den Kontaktwinkel zur Schneide) helfen, was auf den Riemen aufgetragen wird und dann mit dem Finger über die alte Paste kräftig eingerieben wird. Hierdurch kommen auch ein paar neuere Schleifkörner nach oben.
4. Warum soll ich das Messer nach dem Abziehen auf einem Leder nochmal durch ein Stück Hartholz ziehen?
Beim Abziehen auf dem Leder kann es sein, dass noch minimale Restgrate stehen bleiben, wenn man das Messer mit nicht zuvielen Zügen abziehen möchte, um nicht die angeschliffene Schneidengeometrie zu verändern. Zieht man die Schneide durch ein Stück Hartholz, so bleiben diese Restgrate im Holz hängen. Danach noch einem kurz auf dem Lederriemen abziehen und fertig ist der Abziehvorgang.
Schleifen 1. Bei mir funktioniert die Schleifbewegung nicht, die Du vorschlägst, was mache ich falsch?
Jeder Mensch ist anders, also hat jeder Mensch seine eigene Motorik, mit der er gut zurecht kommt. Man muss eine Bewegung finden, die man gut ausführen kann, bei der das Messer sauber über den Stein geführt wird, man den Winkel zwischen Messer und Stein gut konstant halten kann und man Kontrolle über das Messer hat.
Bei mir ist es zur Zeit die "Scheibenwischerbewegung": Der Ellenbogen des rechten Arms liegt auf dem Tisch auf, das Messer in der Hand. Der Schleifstein liegt leicht schräg vor mir. Jetzt wird der Unterarm wie ein Scheibenwischer um den Ellenbogen als Drehpunkt bewegt, so dass das Messer über den Schleifstein streicht. Um die andere Seite zu schleifen, mache ich alles spiegelverkehrt.
Es kann aber durchaus sein, dass bei Euch andere Bewegungen besser funktionieren.
2. Wie oft muss ich meine Messer schleifen?
Die Häufigkeit mit der man Messer schleifen muss, hängt davon ab, ab wann ich ein Messer als stumpf erachte und wieviel man damit arbeitet. Hierauf kann man daher keine pauschale Antwort geben. Ich habe schon Zeiten von 1 Tag bis 3 Jahre gehört.
3. Ich habe mir einen neuen 1000/6000 japanischen Wasserstein gekauft und nun bekomme ich meine Messer einfach nicht scharf, was mache ich falsch?
Viele Leute kaufen sich zu Beginn einen zu feinen Stein, weil die Hersteller der Steine immer angeben, dass ein 1000'er japanischer Wasserstein zum Schärfen benutzt wird. Es wird dabei aber außer Acht gelassen, dass beim erstmaligen Schliff eines Messers der Schneidenwinkel meistens deutlich geändert werden muss. Dies erfordert einen ordentlichen Abtrag, der mit einem groben Stein deutlich schneller und daher auch mit weniger Verwacklern möglich ist. Hat man einmal seinen persönlichen Winkel in ein Messer geschliffen, kann man nur mit dem 1000'er Stein ein Messer schärfen. Also einfach mal den ersten Anschliff mit einem gröberen Stein, z.B. einem 240'er Stein durchführen und oft ist dann das Problem behoben.
4. Das sieht alles so leicht aus, aber irgendwie schaffe ich es nicht, was mache ich falsch?
Eine sehr schwierige Frage, die man nicht einfach aus der Ferne beantworten kann. Geh am besten die Schritte nochmal alle durch und überlege, wo sich Fehler eingeschlichen haben könnten. Hat sich beim Vorschliff der Grat über die gesamte Schneidenlänge aufgewölbt? Hast Du bei den feineren Schliffen darauf geachtet die Spuren der gröberen Schleifsteine zu entfernen (hier kann es helfen beim letzten Stein den Winkel minimal zu erhöhen, damit man auch sicher auch die Schneidkante schleift)? Hast Du vor dem Reduzieren des Grates den Stein gereinigt? Hast Du zuviel Polierpaste auf dem Riemen gehabt (zur Not mit ein wenig Öl oder Alkohol auf einem alten Lappen den Lederriemen kräftig abreiben, trocknen lassen und dann sparsam erneut mit guter Polierpaste bearbeiten)? Hast Du das Messer gegen Ende nochmal durch Hartholz gezogen? In ganz seltenen Fällen hat man es auch mit ungünstig wärmebehandelten oder qualitativ sehr schlechten Messern zu tun, die einfach keine gescheite Schärfe zulassen (das ist aber wirklich sehr selten).
Schleifstein 1. Früher hat mein Schleifstein ordentlich Material abgetragen, inzwischen gleitet das Messer über bestimmte Bereich drüber, ohne, dass Material abgenommen wird, wie kann ich ihn wieder hinbekommen?
Unter bestimmten Bedingungen (Schleifstein, Benutzer, Schleiftechnik) kann es zu diesem Phänomen kommen. Mir ist aufgefallen, dass härter gebundene Schleifsteine öfter davon betroffen sind, also weicher gebundene, ebenso günstigere Schleifsteine und ebenfalls Schleifsteine, auf denen trocken gschliffen wurde. Meine Vermutung wie dieser Effekt zustande kommt ist, dass lokal Bindemittel mit wenig Schleifmittel an die Oberfläche gelangt ist und somit dort Schleifkörner fehlen, die den Stahl abtragen können.
Oftmals hilft es bei solchen Situationen, den Schleifstein abzurichten, also mit grobem Siliziumkarbidschleifpapier nass zu schleifen, am besten unter Zugabe von Siliziumkarbidpulver. Hiermit wird die glatte Bindemittelschicht durchbrochen und neue Schleifmittel gelangen an die Oberfläche.
2. Mein Schleifstein ist uneben geworden, wann muss ich ihn abrichten?
Den Schleifstein muss man nicht bei der ersten Unebenheit oder dem ersten Kratzer durch eine Spitze abrichten. Kritischer wird es, wenn man in die Mitte eine Kuhle hinein geschliffen hat. Durch so eine Kuhle ändert sich der Schleifwinkel im Verlauf des eines Schleifzugs etwas. Ich richte meine Steine spätestens ab, wenn der Randbereich der Steine ca. 2 mm höher als die Mitte ist. Schleift man häufiger Holzbearbeitungswerkzeuge, wie Hobelklingen oder Stemmeisen sollte das Abrichten schon früher erfolgen.
3. Ich habe ein Messer von Kai Shun, Global, Zwilling, Kasumi oder einer anderen Messerfirma, die auch Schleifsteine herstellt. Muss ich unbedingt mit den Schleifsteinen dieser Firmen meine Messer schleifen?
Nein, Messerhersteller stellen nur sehr selten die Schleifsteine auch selber her. Meistens sind es zugekaufte Produkte. Theoretisch können zwar bestimmte Schleifsteine auf die Eigenarten bestimmter Stähle optimiert werden, in der Praxis jedoch ist es kein Problem mit einem Schleifstein einer anderen Firma die entsprechenden Messer zu schärfen. Zudem darf man auch nicht vergessen, dass die Messerhersteller bei den Schleifsteinen, die von Messerherstellern vertrieben werden, da sie diese meistens nicht selber herstellen, eigentlich nur als Großhändler auftreten und daher eine weitere Zwischenstufe in der Gewinnkette darstellen. Kurzum, diese Steine sind meist deutlich teurer als die Schleifsteine, die unter dem Logo der Schleifsteinhersteller vertrieben werden.
Falls jemand noch Fragen zum Schleifen hat, die hier reinpassen, oder Anregungen zu dieser Seite hat kann er mir gerne mailen.