Leos Polierpastentest
 
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Leo's Polierpastentest

Welche Polierpaste ist die richtige für mich und wie gehe ich damit um?



Themenüberblick

Beim Schleifen von Messern auf Banksteinen, Keramikwetzstählen, Diamantwetzstählen, V-Sharpenern, Schleifpapier, genau genommen allen Schleifmitteln mit harten Oberflächen entsteht ein feiner Grat. Doch wie entsteht er und was ist er eigentlich dieser ominöse Grat? Ein stumpfes Messer hat eine Schneide, die nicht mehr spitz zuläuft, sondern mehr oder weniger abgerundet ist. Schleift man nun das Messer von beiden Seiten, so wird diese dicke abgerundete Schneide immer dünner und damit schärfer. Je dünner die Schneide wird, desto empfindlicher wird sie, sie lässt sich leichter umbiegen. Beim Schleifen geschieht dann folgendes: Die Schneide erreicht irgendwann an der Spitze eine Dicke von weniger als ein paar µm, dieser dünne Schneidgrat ist so empfindlich, dass er sich leichter vom Schleifstein wegwölbt, als dass man noch mehr Material von ihm abtragen kann. Dieser sich vom Schleifstein abhebende hauchdünne Schneidenbereich wird als Grat bezeichnet. Schneidet man mit einem Messer, das einen solchen Grat hat, legt sich dieser Grat leicht zur Seite um und erhöht die eigentliche Schneidendicke. Dort ist das Messer dann schlagartig nach dem Schneiden stumpf geworden.

Es ist also klar, dass dieser feine Grat nach dem Schärfen auf harten Schleifmaterialien entfernt werden muss, um einem Messer die für die Stahlart und Wärmebehandlung maximal mögliche Schnitthaltigkeit zu geben. Man kann (und sollte ihn auch!) den Grat ein wenig reduzieren, indem man die letzten Schleifhübe auf dem Abschlussstein abwechselnd auf der einen und der anderen Schneidenseite macht. Dies entbindet einen jedoch nicht von der Pflicht den Grat ganz zu entfernen, es erleichtert nur das spätere Entfernen etwas.


Doch wie entfernt man den Grat nach dem Schleifen?

Funktionsweise der Polierpaste mit Lederriemen
Wie zuvor erwähnt entsteht dieser Grat vor allen beim Schleifen mit harten Schleifkörpern. Ein weicherer Schleifkörper folgt dem sich wegbiegenden Grat etwas und kann ihn so entfernen. Ich benutze als weichen Schleifkörper am liebsten einen Lederriemen (muss nicht allzu lang sein), der mit guter Polierpaste behandelt wurde. Die Polierpaste enthält Schleifpartikel, die deutlich härter als der Stahl sind und die sich bei Gebrauch in die Lederoberfläche eindrücken und somit nur zu einem kleinen Teil herausschauen. Zieht man auf solch einem Riemen das frisch geschärfte Messer ab, dann entfernen die Schleifpartikel auf dem Leder vorsichtig den letzten Schleifgrat und polieren je nach Feinheit und Härte sogar noch etwas die Schneide.

Auf welche Seite des Leders wird denn nun die Polierpaste aufgetragen?
Leder ist ein Naturprodukt und hat daher eine größere Variantionsvielfalt an Eigenschaften. Die meisten Abziehlederriemen haben eine glatte (die sogenannte Narbenseite (also die Außenseite der Haut) und eine faserige, weiche Seite (die sogenannte Fleischseite, also die Innenseite der Haut). Günstiges Leder kann auch aus zwei faserigen Seiten bestehen, dann spricht man vom sogenannten Spaltleder (das ursprüngliche Leder wird in mehrere Schichten gespalten, die Schichten, die keine Narbenseite auf einer der beiden Seiten haben, bezeichnet man als Spaltleder). Die Narbenseite wird als hochwertiger angesehen in der Lederindustrie, für unsere Zwecke bietet sie auch mehr Möglichkeiten.

Für das Abziehen auf einem Lederriemen kommen bestimmte Eigenschaften des Leders zum Tragen.

je härter das Leder, desto
- weniger tief sinken die Schleifpartikel ein und desto aggressiver können sie schleifen (gleichfeine Schleifmittel erzeugen bei harten Lederoberflächen tiefere Riefen als bei weichen Lederoberflächen)
- weniger biegt sich das Leder an der Kontaktstelle zur Schneide nach unten weg, also desto definierter kann der Schneidenwinkel gehalten werden

je weicher das Leder, desto
- tiefer sinken die Schleifpartikel ein und desto sanfter schleift das Schleifkorn (sehr feine Schleifpartikel zeigen bei weichen Leder kaum noch Wirkung, da sie komplett versinken)
- mehr biegt sich das Leder an der Kontaktstelle zur Schneide nach unten weg, der Kontaktbereich formt sich leicht ballig aus, der Grat wird so sehr effektiv entfernt

Fazit

- Ich kann die graue Polierpaste in der Spritze sowohl auf die glatte, wie auch die faserige Lederseite auftragen. Wenn ich die Möglichkeit habe, trage ich sie auf die glatte Seite auf.
- Diamantpolierpasten trage ich grundsätzlich nur auf die feine Seite auf und beträufel vorher auch den Lederriemen nicht mit Öl, damit dieser Lederriemen recht hart bleibt und die Diamantpartikel nicht ganz in der Oberfläche verschwinden.
- Farbpigmentpolierpasten trage ich auf die glatte Lederseite auf, ohne das Leder vorher mit Öl zu beträufeln.

Polierpastenarten

Bei den unterschiedlichen Polierpasten kommen je nach Anwendungsfall unterschiedliche Schleifmittel zum Einsatz. Allerdings ist das Abziehen von Messern eher ein Sonderfall, so dass nur wenige Polierpasten hierauf spezialisiert sind.

Aluminiumoxid und Siliziumkarbid
Ähnlich wie bei den Schleifsteinen und Schleifpapier gibt es auch Polierpasten, die Siliziumkarbid und Aluminiumoxid (Korund) als Schleifmittel verwenden. Diese Schleifmittel finden oftmals Verwendung wachsartigen Blöcken aus Polierpaste, jedoch vereinzelt auch fetthaltigen, dickflüssigen Massen, in Spritzenform dargeboten.

Diamant

Auch das härteste bekannte Schleifmittel der Diamant hat inzwischen Einzug in die Polierpastenwelt gefunden. Diamantpartikel finden in Polierpasten, die als zähe fettähnliche Masse in Spritzen geliefert wird, als auch in sogenannten Schleifsuspensionen, einer sehr flüssigen Variante. Letztere ist für das Abziehen von Messern allerdings nahezu ungeeignet, da sie einen zu geringen Anteil an Schleifmittel enthält.
Die Polierpasten in Spritzenform wird oftmals in unterschiedlichen Konzentrationen und in vielen verschiedenen Körnungen angeboten. Hier trennt sich dann auch die Spreu vom Weizen. Viele Diamantpasten werben mit sehr feinen Körnungsangaben, enthalten jedoch keine Information über die Konzentration der Schleifpartikel in der Paste. Mit einer zu geringen Konzentration der Polierpaste lässt sich kaum ein Abtrag erzielen, so dass es ein Glücksspiel ist, günstige und gute Diamantpolierpasten zu finden. Günstige Polierpasten stammen zum Großteil aus Russland. Bisher habe ich die besten Erfahrungen mit den hoch konzentrierten Pasten der Firma SDP gemacht.

Farbpigmente

Kommt man in den Bereich der extrem feinen Schneiden, so gelangt man als Abziehmittel unweigerlich zu den Farbpigmenten Chromoxid (grün) und Eisenoxid (rot). Diese Pigmente sind verglichen mit den zuvor genannten Schleifmitteln relativ weich, aber dennoch härter als der abzuziehende Stahl. Da sie nur einen sehr geringen Abtrag haben und eine sehr hohe Feinheit, eignen sie sich nur für das Abziehen der Schneiden nach sehr feinen Schleifsteinen (mindestens 6000'er japanischer Körnung, besser noch 8000 bis 10.000). Ihr Wirkung können sie optimal an den feinsten Klingen entfalten, wie Rasiermesser, Mikrotommesser und für absolute Messerfetischisten auch hochwertige Messer aus sehr feinkörnigen Stählen, wie hoch gehärtete nicht rostfreie Kohlenstoffstähle (einige japanische Kochemesser z.B.). Man bekommt diese Pasten oftmals dort, wo auch Rasiermesser verkauft werden. Alternativ kann man auch Künstlerfarbe in den Farbtönen Chromoxidgrün (stumpf) oder auch Eisenoxidrot nehmen. Ölfarben trocknen sehr langsam (Wochen), Acrylfarben trocknen schneller, werden aber auch recht hart. Wenn die Lederberfläche eben bleibt ist das kein großer Nachteil. Ist das Leder aber so rauh, dass lokal harte SPitzen hochstehen, kann dies einem guten Rasiermesser schon schaden.


Darreichungsform

Die Polierpasten werden je nach ihrem eigentlichen Anwendungszweck in verschiedenen Darreichungsformen geliefert. Für das Abziehen von Messern auf Lederriemen sind die Gebindearten ideal, die sich ohne größere Probleme auf Lederriemen verteilen lassen.

Fettähnliche Konsistenz
In Spritzen gelieferte Polierpasten haben eine fettähnliche Konsistenz, dies erleichtert das gleichmäßige Auftragen auf den Lederriemen ungemein. Ein erbsengroßer Klecks kann problemlos die Oberfläche von einem 200 mm langen Lederriemen gleichmäßig benetzen.

Wachsähnliche Konsistenz
Bild Polierpaste Polierpastenblock für Schwabbelscheiben, aber auch fürs Abziehen auf Lederriemen. Polierpasten, die eigentlich für die Nutzung an Schwabbelscheiben gedacht sind, weisen eine deutlich festere Konsistenz auf. Etwas härter als Kerzenwachs, werden sie an rotierende Stoffscheiben oder Filzscheiben gehalten, daraufhin erwärmt sich durch die Reibung das Wach so sehr, dass es schmilzt und zusammen mit den im Wachs enthaltenen Schleifkörpern die Schwabbelscheibe benetzt.
Versucht man diese Pasten auf Lederriemen zu bringen, so ist das je nach Paste eine eher krümelige Angelegenheit. Ich drücke meist recht fest mit dem Polierpastenblock auf und ziehe es dabei über das Leder. Dabei lösen sich kleine Bröckchen von der Polierpaste, die ich danach mit dem Finger, der dabei recht warm wird tiefer in das Leder einreibe. Hiermit kann man nur sehr schwer eine gleichmäßige Verteilung der Schleifpartikel hinbekommen. Daher empfehle ich inzwischen lieber die Polierpasten in fettähnlicher Konsistenz.
Bei den verschiedenen Wachsen gibt es auch große Unterschiede, ist der Wachsanteil zu hoch, oder das Wachs zu weich, lässt sich kaum eine geringe ordentlich verteilte Menge auf den Lederriemen aufbringen. Die etwas trockeneren Varianten, die feine Krümel verlieren sind hier vorzuziehen.

Flüssige Konsistenz
Schleifemulsionen kommen flüssig, beinahe in wässriger Konsistenz daher. Dadurch lassen sich sich leicht verteilen, wenn sie auch etwas schnell in das Leder einziehen. Da sie jedoch viel niedriger konzentriert sind als die fettähnlichen Polierpasten, rate ich von ihnen dringend ab.


Doch was sind nun die idealen Kombinationen von Polierpasten und Leder für unsere Zwecke?

1. Anwendungsfall: Messer abziehen nachdem auf Schleifsteinen zwischen 240 und 3000 japanischer Wassersteinkörnung geschliffen wurde. Ideale Gebrauchsschärfe, mit der man problemlos Haare vom Unterarm rasieren kann.
Für diesen Fall ist die
Lederriemen mit Polierpastegraue Polierpaste (Rabattcode 1199 gibt 10% Rabatt) das Mittel der Wahl. Sie ist um ein vielfaches höher konzentriert als Diamantpolierpasten und kann somit einen Grat viel effektiver entfernen als alles andere, was ich bisher in den Fingern hatte. Alternativ kann man auch zu einer sehr guten
Diamantpaste 3 µm3 µm Diamantpaste in hoher Konzentration (Rabattcode 1199 gibt 10% Rabatt) greifen, die jedoch etwas teurer ist und auch langsamer den Grat abtragen.

2. Anwendungsfall: sehr feine Messer (Rasiermesser, Kohlenstoffstähle) abziehen nachdem sie auf Schleifsteinen oberhalb der 6000'er Körnung geschliffen wurden.
Hier verwende ich eine Kombination von einer sehr feinen
Diamantpaste 1 µm Diamantpaste 1 µm (Rabattcode 1199 gibt 10% Rabatt) oder
Diamantpaste 0,5 µm Diamantpaste 0,5 µm (Rabattcode 1199 gibt 10% Rabatt) und anschließend den Abzug auf einem zweiten Lederriemen mit
StreichriemenpasteStreichriemenpaste mit Chromoxid, in ganz extremen Fällen noch einen dritten Riemen mit roter Eisenoxidpaste als Abschluss. Für jede Körnungsstufe muss man einen eigenen Lederriemen verwenden. Dieser darf niemals mit den anderen Riemen in Berührung kommt (am besten in Folienbeuteln lagern), damit man kein Grobkorn auf einen feinen Lederriemen unabsichtlich verschleppt.


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Falls jemand noch Anregungen zu dieser Seite hat kann er mir gerne mailen.

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Last Update 22.01.10